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Einfacheres Diabetes-Management

Diabetes ist eine chronische Krankheit, bei der die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin produziert oder der Körper das produzierte Insulin nicht wirksam verarbeiten kann.

12. März 2019

Thomas Amrein

Fund Manager, Credit Suisse Asset Management

Insulin ist ein Hormon, das für die Regulierung des Blutzuckers notwendig ist. Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) tritt bei unbehandeltem Diabetes häufig auf und führt im Lauf der Zeit zu einer schweren Schädigung vieler Körpersysteme, insbesondere der Nerven und Blutgefässe. Im Jahr 2014 litten 8,5 % aller Erwachsenen ab 18 Jahren an Diabetes. 2016 war Diabetes in 1,6 Millionen Fällen die direkte Todesursache und 2012 verursachten hohe Blutzuckerwerte weitere 2,2 Millionen Todesfälle.1

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Diabetes:

Diabetes: eine sehr weit verbreitete chronische Erkrankung

Prognosen zufolge wird die Anzahl der an Diabetes erkrankten Menschen aus einer Reihe von Gründen zukünftig stark ansteigen. Die wichtigste Ursache für diesen Anstieg ist eine ungesunde Ernährung in Verbindung mit einem Mangel an körperlicher Aktivität. In vielen Ländern der Welt haben Veränderungen der Lebensgewohnheiten in den letzten Jahren dazu geführt, dass Diabetes heute signifikant stärker verbreitet ist als früher.

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Abbildung 1: Weltweite Verbreitung von Diabetes

Quellen: Credit Suisse, MGSD – Mediterranean Group for the Study of Diabetes

Diabetes zählt zudem ganz klar zu den Alterskrankheiten. Ernährung und Bewegung – und im Ergebnis das Gewicht – spielen eine wichtige Rolle, doch in Zukunft wird die Zahl der Diabeteserkrankten schon allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung steigen. In einigen Ländern tragen zwei Faktoren gleichzeitig zu dieser Entwicklung bei: Die Einwohner dieser Länder haben sich einen Lebensstil angeeignet, der zu einer stärkeren Verbreitung von Diabetes führt, der durch einen schnelleren demografischen Wandel noch Vorschub geleistet wird.

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Abbildung 2: Prozentsatz von Diabeteserkrankten in verschiedenen Altersgruppen

Quelle: Diabetes Care – American Diabetes Association

Insulinmanagement ja – aber...

Bei Typ-1-Diabetikern ist eine Kontrolle des Blutzuckerspiegels bzw. Insulinmanagement generell unerlässlich. Bei Typ-2-Diabetikern gibt es in der Regel eine Vielzahl von Möglichkeiten, um den Blutzucker unter Kontrolle zu halten. Grundlage sind eine gute Ernährung sowie Bewegung, dazu kommen oral einzunehmende Medikamente (Metformin, DPP4-Hemmer, SGLT2-Hemmer). Ab einem bestimmten Punkt kann eine ausreichende Blutzuckerkontrolle aber nur erreicht werden, indem regelmässig Insulin zugeführt wird.

Ohne technische Hilfsmittel kann sich das Insulinmanagement sehr umständlich gestalten: Jeden Tag sind mehrere Fingerstiche erforderlich, es muss die optimale Kombination aus lang- und kurzzeitig wirkendem Insulin berechnet werden und schliesslich gilt es, das Insulin mit einer Spritze oder einem Stift zu verabreichen. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei Diabetes um eine chronische Erkrankung handelt und die Therapietreue von Patienten mit chronischen Erkrankungen im Allgemeinen zu wünschen übrig lässt (was aufgrund der hohen Prävalenz im fortgeschrittenen Alter verständlich ist), gibt es immer mehr Patienten, die auf die Zufuhr von Insulin angewiesen sind und nach einfachen Lösungen suchen, um ihre Blutzuckerwerte in einem akzeptablen Bereich zu halten. Der Blutzuckerspiegel darf nicht zu hoch sein, da ansonsten verschiedenste Folgeerkrankungen entstehen können (Augenkrankheiten, diabetischer Fuss usw.), aber auch nicht zu niedrig, da ansonsten die Gefahr besteht, dass es zu einem hypoglykämischen Ereignis kommt, bei dem der Patient das Bewusstsein verliert und häufig eine Notfallbehandlung erforderlich ist.

Eine Technologie, die den gesamten Prozess der Blutzuckermessung, Insulinberechnung und Insulinverabreichung (kurz: das Diabetesmanagement) vereinfacht, kann ein sehr wirksames Mittel sein, um Blutzuckerausschläge zu verhindern. Dadurch können auch die Folgekosten für das Gesundheitssystem erheblich gesenkt werden, da diese Patienten weniger häufig an Krankheiten leiden, die auf eine schlechte Blutzuckerkontrolle zurückzuführen sind, und weniger Krankenhauseinweisungen aufgrund von hypoglykämischen Notfällen erforderlich sind.

Welche technischen Hilfsmittel können den Umgang mit chronischem Diabetes erleichtern?

Ein geschlossener Regelkreis, der die natürliche Funktionsweise der Bauchspeicheldrüse zuverlässig simuliert, ist ein lang gehegter Traum der Medizin. Ein solches System, das vollkommen autonom arbeitet, ist bislang zwar noch keine Realität, es wurden in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren allerdings erhebliche Fortschritte erzielt. Heute wird diese Technologie häufig als «künstliche Bauchspeicheldrüse» bezeichnet.

Alle Bestandteile der «künstlichen Bauchspeicheldrüse» sind wesentlich und in Bezug auf jeden einzelnen wurden bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Am Anfang steht der Sensor für die kontinuierliche Glukoseüberwachung, der ganz genau funktionieren muss, da die Kaskade der Algorithmen und die daraus resultierenden Funktionen (Insulinverabreichung, Alarmmeldungen) auf seinen Messwerten beruhen. Die Geräte müssen zuverlässig miteinander verbunden sein. Die Entwicklung der Algorithmen ist keine leichte Aufgabe, da sie sich an viele Situationen anpassen und aus dem Verhaltensmuster des Patienten lernen müssen, um bessere Vorhersagen zu treffen.

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Eine weitere Herausforderung ist die Insulinpumpe, die sehr klein und extrem widerstandsfähig (Feuchtigkeit, Erschütterungen usw.) sein muss.Jede neue Systemgeneration bietet Vorteile, sodass der Nutzen im Lauf der Zeit steigt: eine genauere Blutzuckermessung, bessere Trendvorhersagen, weniger Fehlalarme, eine Insulin-Abschaltfunktion zur Verhinderung eines gefährlichen hypoglykämischen Ereignisses, mehr Datenerfassungsfunktionen sowie die Möglichkeit, Alarme weiterzuleiten (an Pfleger, Eltern usw.).

Viele potenzielle Vorteile: ein geringerer Leidensdruck und geringere Kosten durch ein besseres Insulinmanagement

Die Kostenauswirkungen von Diabetes sind enorm. Auf lange Sicht kann ein sehr gutes Insulinmanagement zu drastischen Kosteneinsparungen führen und so die Gesamtgesundheitskosten senken. In den USA hängen etwa 15 % der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen mit der Behandlung von Diabetes zusammen. Doch der Kostenfaktor sollte den Blick auf die zahlreichen menschlichen Schicksale nicht verstellen, die im Zusammenhang mit einer unzureichenden Blutzuckerkontrolle stehen: Allein in den USA müssen sich täglich durchschnittlich 295 Menschen einer Amputation unterziehen!

Fazit

Den Traum, einen vollständig geschlossenen Regelkreis zur Behandlung von Diabetes zu schaffen, gab es bereits vor 20 Jahren, damals galt er jedoch als futuristische Idee. Erst durch jüngste technologische Entwicklungen konnten bedeutende Fortschritte auf dem Weg zu einem solchen System erzielt werden. Gegenwärtig stellen diese jedoch nicht mehr als einen Schritt in die richtige Richtung dar – für eine vollautomatische Lösung bedarf es weiterer Arbeit.

Für ein solches integriertes System werden immer genauere Sensoren für die konstante Glukoseüberwachung sowie ausgefeilte Algorithmen nötig sein, mit der Möglichkeit, Daten zu erfassen und Alarme auszulösen. Nicht zu vergessen sind ausserdem die Insulinpumpen, die in der Vergangenheit schwer zu handhaben waren und manuell auf die richtige Insulindosis eingestellt werden mussten. Die Fortschritte, die bereits erzielt wurden, bringen vielen Patienten schon heute erheblichen Nutzen und tragen zu einer grossen Verbesserung ihrer Lebensqualität bei. Darüber hinaus können hohe Folgekosten und Krankenhauskosten vermieden werden, sodass die Technologie trotz der mit ihr verbundenen Kosten letztlich Einsparungen im Gesundheitssystem ermöglicht.

Wir bei der Credit Suisse sind davon überzeugt, dass es sich hier um eine langfristige Anlagechance handelt. Daher haben wir eine Strategie entwickelt, die Anlegern innerhalb des weiteren Kontextes des digitalen Gesundheitswesens die Möglichkeit gibt, sich im Bereich von Technologien, die das Diabetesmanagement revolutionieren, zu engagieren.

Quellen
1 Weltgesundheitsorganisation, www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diabetes
2 Weltgesundheitsorganisation, www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diabetes

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