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Vertragserneuerungen auf dem Rückversicherungsmarkt

Im Jahr 2020 erlebte die Rückversicherungsbranche eine ihrer schwierigsten Phasen seit vielen Jahren. Mehrjährige hohe Branchenverluste im Verein mit historisch niedrigen Zinsen haben eine positive Preisentwicklung und eine Marktverhärtung in bestimmten Marktsegmenten herbeigeführt. Darüber hinaus haben die globale Ausbreitung von COVID-19 und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft die Unsicherheit hinsichtlich der Versicherungsleistungen und -schäden erheblich verstärkt und die Rückversicherungsbranche weiter erschüttert. Somit geben die Vertragsverlängerungen für Januar 2021 einen guten Aufschluss über die Verfassung des Rückversicherungsmarktes im Hinblick auf Preisgestaltung, Kapitalflüsse, Vertragsbedingungen und Aussichten für die verbleibenden Vertragsverlängerungen im weiteren Verlauf des Jahres.

1. März 2021

Verrijn Kerckhoff

ILS Product Specialist

Reinsurance market renewals, Recap of January 1, 2020

Jede Verlängerungsrunde in der Rückversicherung birgt ihre eigenen Herausforderungen und Chancen. So war es auch in diesem Jahr. Die Vertragsverlängerungen im Januar gelten am Rückversicherungs- und ILS-Markt als wichtigste Verlängerungsrunde des Jahres. In dieser Zeit wird die Mehrzahl der grossen globalen Rückversicherungsprogramme und -verträge für ausgewählte Rückversicherer in den USA, Kanada und Europa für das Jahr ausgehandelt. 

In den vergangenen Jahren hat sich die Stimmung auf dem Rückversicherungsmarkt verschoben, und die Sicht auf das Risiko aus früheren Schadenerfahrungen und Kapazitätsengpässen geändert. Dies hatte weitreichende Preissteigerungen auf verschiedene Regionen und Risiken sowie eine Verschärfung der Vertragsbedingungen und strengere Deckungsbedingungen zur Folge. In diesen Marktmerkmalen äussert sich die in den letzten Jahren in verschiedenen Segmenten des Rückversicherungsmarktes zu beobachtende Verhärtung, sodass Zedenten (Gesellschaften, die einen Teil ihrer Risiken an den Rückversicherungs- oder ILS-Markt übertragen) strengeren Marktbedingungen gegenübersehen. Am stärksten von dieser Entwicklung betroffen war der Retrozessionsmarkt (Übertragung von Rückversicherungsrisiken auf einen anderen Rückversicherer), der noch mehr durch Schadenereignisse, gebundenes Kapital und sogar zyklische Marktverwerfungen bei fortgesetzter Kapazitätsnachfrage belastet wurde.

Die Verhärtung des Marktes aufgrund des Schadenverlaufs in den Vorjahren verschärfte sich 2020 durch COVID-19 weiter. Der Ausbruch der Pandemie, der sich der Branche weitgehend als exogenes Ereignis zeigte, erschütterte die ohnehin unter Druck stehende Rückversicherungsbranche noch stärker. Versicherungsschäden und anhaltende Unsicherheit über die letztendliche Höhe der Schäden durch COVID-19 trafen die Rückversicherungsbranche auf beiden Seiten der Bilanz. Dies führte zur Erosion der Solvabilitätsniveaus und zwang einige Rückversicherer zur Rekapitalisierung, um ihre Bilanz zu stärken. 

Insurance Linked Strategies

Das Credit Suisse Insurance Linked Strategies (CSILS) Team verfügt über eine der längsten Leistungsausweise im Bereich Insurance Linked Strategies (ILS). 

COVID-19 brachte so eine neue Dynamik in den Rückversicherungsmarkt und damit weitere Herausforderungen für die Vertragsverlängerungen im Januar 2021 mit sich. Die Unsicherheit hinsichtlich der Haftung für COVID-19-Risiken und der endgültigen Schadenhöhe in Verbindung mit Betriebsunterbrechungen erschwerte die Vertragsverhandlungen. Zu einem gewissen Grad hat das äusserst schadenereignisreiche Jahr in den USA mit einer hohen Häufigkeit von Ereignissen mit geringem und mittlerem Versicherungsschaden die Erwartungen an Preiserhöhungen für die Verlängerungsrunde 2021 weiter gestützt.

Die Vertragsverlängerungen im Januar 2021 waren von einer Verlagerung des Schwerpunkts hin zu einem disziplinierteren Underwriting unter Verbesserung der Vertragsbedingungen und Überarbeitung der Vertragstexte in Bezug auf potenzielle Verluste durch prozessbedingte Fehler bei der Schadenbearbeitung geprägt. Die Unsicherheit hinsichtlich der Deckung von COVID-19-Schäden führte zu einem stärkeren Fokus auf vertragliche Formulierungen, wie zum Beispiel Ausschlüsse für übertragbare Krankheiten und bestimmte gedeckte Risiken. Thema waren auch allgemeinere Bedingungen im Hinblick auf die Freigabe von Sicherheiten neben einem strikteren Ausschluss von Cyberrisiken nach einem Jahr zahlreicher Cyberangriffe und nachdem COVID-19 das ganze Ausmass der Betriebsunterbrechungsrisiken aufgezeigt hatte. 

Auch wenn der Markt weitgehend Underwriting-Disziplin wahrte, fiel die Preissteigerung doch weniger stark aus als von einigen Marktteilnehmern erwartet. Trotz der hohen Erwartungen konnte die Verlängerungsrunde ihr volles Potenzial bei weiteren Preiserhöhungen angesichts des schwierigen Marktumfelds nicht voll ausschöpfen. Die Preise im Sachgeschäft lagen am Ende im unteren Bereich der anfänglichen Erwartungen, vor allem bei nicht schadenbelasteten Programmen.

ILS-Anlagen, Trends und Ausblick für den Rückversicherungsmarkt sowie Auswirkungen von COVID-19

Niklaus Hilti, Chief Executive Officer und Chief Investment Officer von Credit Suisse Insurance Linked Strategies (ILS), gab ein Interview mit Artemis¹ über den gegenwärtigen Stand der versicherungsgebundenen Anlagen sowie Trends im Rückversicherungsmarkt.

In den USA verbesserte sich im Allgemeinen die Preisgestaltung bei auslaufenden Verträgen, womit sich die leichte Marktverhärtung fortsetzte, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau als zunächst erwartet, da neue Kapazitäten einer stärkeren Preissteigerung den Boden entzogen. Landesweite US-Rückversicherungsprogramme verzeichneten einstellige Preissteigerungen, wohingegen regionale Verträge die deutlichsten Anstiege bei einigen besonders schadenbelasteten Transaktionen mit Prämiensteigerungen von bis zu 25 % erzielten. Dies ist auf die über Erwarten hohen Schäden durch den Derecho-Sturm zurückzuführen, der im August 2020 über den Mittleren Westen fegte. In Kanada wurden nach dem Schadenverlauf im Jahr 2020 im Durchschnitt deutlichere Preisanstiege von 10 bis 20 % verbucht.

In Europa könnte es nach einem mehrjährigen stabilen Marktumfeld zu einer gewissen Verhärtung des Marktes mit einstelligen Preisanstiegen bei den meisten Vertragsverlängerungen und Verbesserungen bei vertraglichen Formulierungen kommen. Mangels grösserer Naturkatastrophenereignisse in Europa in den vergangenen Jahren lässt sich dies vor allem auf COVID-19-bedingte Schäden zurückführen, da wir feststellten, dass ein Grossteil dieser Schäden in Europa entstand. Die in Verbindung mit COVID-19 drohenden Verluste führten jedoch zu keiner nennenswerten Verhärtung, da dieses Thema von den Marktteilnehmern angesichts der zum Zeitpunkt der Verhandlung bestehenden Unsicherheit zur Schadenhöhe zumeist aufgeschoben wurde. Nicht zuletzt bestanden keine Kapazitätsengpässe, und die meisten Verträge wurden verlängert. Versicherungsgesellschaften erwarben im Allgeneinen mehr Kapazitäten im oberen (das heisst risikoärmeren) Bereich ihrer Programme.

Trotz der anfänglichen Unsicherheit hinsichtlich des aufgrund der besicherten Retrozession von COVID-19-Schäden gebundenen Kapitals kehrten am Retrozessionsmarkt schliesslich wieder stabilere Angebots- und Nachfragebedingungen ein. Insgesamt verbesserte sich die Preisgestaltung weiter. Dennoch zeigte der Markt nicht die vorausgesagte Verwerfung. Die Nachfrage sank erstmals seit Jahren, und so bestand ausreichende Kapazität sowohl aufgrund des Angebotszuwachses bei bestehenden Versicherern als auch durch Kapitalzuflüsse von neuen Marktteilnehmern, die vor allem auf die risikoreicheren Bereiche zielten. Überdies trieben die Rückversicherer zunehmend eine Verlagerung der Nachfrage hin zu kosteneffizientem alternativem Kapital voran, wie zum Beispiel Retro Katastrophenanleihen mit auf Branchenindizes basierenden Trigger-Strukturen. Dadurch rückte alternatives Risikokapital bei der Minderung von Risiken in diesem Markt wieder in den Vordergrund.

Der kurzfristige Ausblick für den Rückversicherungsmarkt wird weiterhin von Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung der Weltwirtschaft dominiert werden. Viele Rückversicherer werden auch zukünftig durch geldpolitische Konjunkturprogramme belastet, die mit einem anhaltend niedrigen Zinsniveau zur Unterstützung der Erholung der Wirtschaft von COVID-19 Anlagerenditen aushöhlen und die Bilanzen unter Druck setzen. Die Branche wird weiterhin von Unsicherheit bezüglich der COVID-19-bedingten Schäden geprägt sein, was einen Verfall des Branchenkapitals und Rückgang der Rückversicherungskapazität nach sich ziehen kann.

Was den alternativen Kapitalmarkt betrifft, so zeugt die Verlängerungsrunde 2021 von einer Entwicklung zu einem effizienteren Markt mit niedrigeren Eintrittsbarrieren und besserer Kapitalverfügbarkeit innerhalb breiterer Marktsegmente. Dies könnte auf weniger stark ausgeprägte Spitzen im Verlauf des zukünftigen Prämienzyklus im Rückversicherungsgeschäft hindeuten. Auch wenn die Vertragsverlängerungen im Januar 2021 nicht die hohen anfänglichen Erwartungen erfüllten, so hat sich doch die Preisgestaltung insgesamt mit optimaleren Vertragsbedingungen verbessert. Dies kurbelt das zukünftige positive erwartete Renditepotenzial für den ILS-Markt an.

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Quelle: Credit Suisse, Bernina Re