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Wie sich das Bauen im Laufe der Zeit verändert hat

Von den Baustoffen bis zu den Bautechniken: Das Bauen hat sich in den vergangenen 2’000 Jahren stark verändert. Die Bauwirtschaft beschäftigt sich mit Themen wie Kreislaufwirtschaft und Recycling, während neue Technologien und Anwendungen die Planung und den Bau von Immobilien revolutionieren. Gleichzeitig besinnt sich die Branche wieder auf traditionelle Baustoffe.

7. Februar 2022

Die Römer kannten bereits den Zement. Doch mit dem Untergang des Römischen Reiches geriet der Baustoff in Vergessenheit. Zement war von hervorragender Qualität, wie das im Jahr 120 nach Christus errichtete Pantheon in Rom zeigt. Seine gewaltige Betonkuppel mit einem Durchmesser von 43 Metern hält bis heute.

Seit dem Mittelalter sind in der Schweiz fast ausschliesslich grosse Bauprojekte des Adels, der Kirche und der Städte aus Stein entstanden. Dabei bediente man sich mehrheitlich der Baumaterialien aus der näheren Umgebung, ganz im Gegensatz zu den Baufachleuten. Diese kamen oft von weit her – etwa aus Frankreich, Italien oder Österreich – und brachten architektonische Einflüsse in die Schweiz.

In vorindustrieller Zeit war Holz der wichtigste Schweizer Baustoff. Die Qualität der damaligen Bauten ist nicht mit der heutigen vergleichbar. Deshalb setzten diesen aus Holz gebauten Gebäuden oft Naturereignisse wie Feuer oder Überschwemmungen, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen stark zu. Als Folge davon mussten die Häuser stetig ausgebessert werden, sodass Dörfer und Städte ewigen Baustellen glichen.

Industrialisierung benötigt Holz

Mit der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts wurde das begehrte Baumaterial Holz zur Mangelware, denn es wurde als Brennstoff für den Betrieb von Dampfmaschinen verwendet. Zwangsläufig wurde deshalb auch auf dem Land zunehmend mit Stein gebaut.

Während der Industrialisierung wurden neue Bauten wie Fabrikhallen, Brücken und Tunnel für die Eisenbahnen benötigt. Mit den ersten Fabriken, die Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, erfolgte in den Städten zunehmend die räumliche Trennung von Arbeit und Wohnen. Man lebte im Wohnhaus und ging zur Arbeit in die Fabrik. In ländlichen Gebieten hielt sich die Einheit von Leben und Arbeiten unter einem Dach länger und besteht zum Teil bis heute, etwa auf Bauernhöfen.

Beim Hausbau dominierte zu dieser Zeit die Handarbeit. Die Arbeit auf den Baustellen war schlecht bezahlt und aufgrund fehlender Sicherheitsbestimmungen oftmals gefährlich. Unfälle waren an der Tagesordnung. Häufig lag dies auch an der Qualität der Baupläne, denn eine einheitliche Ausbildung der Architekten existierte noch nicht. Dies sollte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts ändern. 

Professionalisierung des Bauens

Die Gründung der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) im Jahr 1855 führte dazu, dass Architekten eine ganzheitliche Ausbildung erhielten. Dadurch verbesserte sich die Qualität des Bauens stetig. Dies war dringend notwendig, denn die Schweiz erlebte ab 1850 ein starkes Bevölkerungswachstum. Als im 19. Jahrhundert die Industrie rasch anwuchs, strömten zahlreiche Arbeitskräfte in die aufstrebenden Städte. Das führte zu einem Mangel an günstigen Wohnungen für diese Zuzüger.

Abhilfe schafften die ersten Arbeiter-siedlungen, die zwischen 1860 und 1875 in Genf, Lausanne, Bern, Zürich, La Chaux-de-Fonds, Le Locle und Winterthur entstanden. Neu war, dass die Bauherren der Siedlungen Standards für die grosszügige Besonnung und Durchlüftung der Wohnungen setzten sowie Grünraum für die Selbstversorgung schufen. Ende des 19. Jahrhunderts führten die Kantone erste Baugesetze ein, die diese Standards der Arbeitersiedlungen teilweise übernahmen.

Meilensteine der Schweizer Baugeschichte 

Stadt Bern: mittelalterliche Stadt
Baumaterial: Sandstein

Blockrandbebauungen in der Stadt Zürich (1900–1930)
Baumaterial: Backstein

Erstes Hochhaus der Schweiz:
Bel-Air-Turm, Lausanne (1930er-Jahre)

Baumaterial: Betonelemente 

Greencity: Wo Nachhaltigkeit Programm ist
2012 wurde Greencity schweizweit als erstes «2’000-Watt-Areal» zertifiziert.

DFAB HOUSE (beleuchtetes Gebäude [rechts] auf der obersten Plattform)
Das DFAB HOUSE in Dübendorf ist das weltweit erste bewohnte Gebäude, das mehrheitlich digital geplant und gebaut wurde. 

Beton erlaubt neue Möglichkeiten

Im Jahr 1824 wurde der Zement wiederentdeckt. Für den geplanten Ausbau des Eisenbahnnetzes war der Baustoff begehrt. Aufgrund der zahlreichen Kalksteinvorkommen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts im Land zahlreiche Zementwerke.

Ab 1890 schuf die Erfindung des Eisenbetons die Voraussetzungen für eine kühne Formgebung und die Architektur der Moderne. Dank der eingegossenen Armierungseisen erhöhte sich die Tragfestigkeit des Baustoffs, der jetzt neben dem Einsatz bei Brücken auch vermehrt bei Hochbauten Verwendung fand – etwa bei Fabriken, Silos und Lagerhäusern.

Doch bevor der Beton seinen Siegeszug antreten konnte, entstanden in den Städten nach der Jahrhundertwende die Blockrandbebauungen: vier- bis sechsstöckige, gegen die Strasse ausgerichtete Mietskasernen um Innenhöfe herum. Grosse Arbeiterfamilien wohnten hier in engen Verhältnissen unter oft prekären Lebensumständen.

Ab den 1920er-Jahren fand ein Umdenken statt. Bei Stadterweiterungen setzte man neu auf frei stehende Bauten mit neuen Umgebungselementen wie Grünanlagen und Pärken. Gleichzeitig reifte das Bewusstsein für den Wert und die Erhaltung historischer Bauten. Heutzutage werden bauliche Kulturdenkmäler gepflegt und regelmässig renoviert.

Was mit Beton neben Ingenieurbauwerken, wie zum Beispiel Brücken und Staumauern, alles möglich ist, zeigte in den 1930er-Jahren der spektakuläre Bel-Air-Turm in Lausanne auf. Erbaut mit Betonelementen im neoklassizistischen Stil, gilt er mit seinen 68 Metern Höhe als erster «Wolkenkratzer» der Schweiz.

Während des Zweiten Weltkriegs waren zahlreiche Baustoffe knapp. Daraus resultierte eine schweizweite Wohnungsnot, die aufgrund der Zuwanderung bis Mitte der 1970er-Jahre andauerte. Um Abhilfe zu schaffen, wurde ab 1945 der Wohnungsbau stark gefördert, was wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrug.

Ab den 1960er-Jahren setzte sich der Beton als dominierender Baustoff im Land endgültig durch. Zunehmend erleichtern Maschinen das Bauen – Häuser werden immer schneller errichtet. Baupläne werden neu am Computer erstellt und lassen sich einfach adaptieren. Erst die Immobilienkrise Anfang der 1990er-Jahre führte zu einem Einbruch der Bautätigkeit und zum Ende des Baubooms.

In der Folge kamen die Themen Landschaftsschutz und Raumplanung auf. Sie führten zu einer verdichteten Bauweise – besonders in den Agglomerationen, wo das Bauland knapp ist.

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist Nachhaltigkeit das grosse Thema des Bauens. Gleichzeitig findet eine Rückbesinnung auf traditionelle Baustoffe statt – Lehm und Holz etwa feiern ein Revival. In der Stadt Zug konkretisieren sich seit 2019 die Pläne für ein 80-Meter-Hochhaus aus Holz.

Schwindende Ressourcen zwingen die Bauwirtschaft, Baustoffe zu recyceln. Doch die Zukunft gehört der sogenannten Kreislaufwirtschaft. Sie basiert auf dem Prinzip der Wiederverwendung von vorgefertigten, normierten Bauteilen. Diese lassen sich später ohne zusätzliche Bearbeitung auseinandernehmen und wiederverwerten. Material- und Produktkreisläufe können so geschlossen werden. Besonders prädestiniert dafür sind Stahl und Holz, aber auch Betonfertigteile. Noch steht die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen am Anfang.

Der Fokus liegt heute vor allem auf der Optimierung bestehender und der Entwicklung synthetischer Baumaterialien, beispielsweise hochbelastbarer, aber leichter Bodenelemente. Parallel dazu revolutionieren digitale Tools die Bauplanung. Dazu gehört zum Beispiel BIM (Building Information Modeling). Dieses erleichtert die Planung, den Unterhalt, den Betrieb und die Renovation sowie die Überwachung des gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.

Das Haus der Zukunft: digital gedruckt und umweltschonend

Bei der Realisierung des zukunftsweisenden DFAB HOUSE (Digitally Fabricated) in Dübendorf treffen traditionelle Bauweisen und neue Konzepte der digitalen Welt aufeinander. Dank des Einsatzes digitaler Technologien war die Errichtung des dreistöckigen Hauses nachhaltiger und effizienter, als es mit einer herkömmlichen Bauweise möglich gewesen wäre.

Heute ist es das weltweit erste bewohnte Gebäude, das mit Robotern und 3D-Druckern mehrheitlich digital geplant und erbaut wurde. So stammt beispielsweise die Schalung für die 80 m2 grosse Geschossdecke vollumfänglich aus einem 3D-Drucker. Im smarten Haus lassen sich kommunikationsfähige Küchengeräte ebenso mit Sprachsteuerung bedienen wie die Heizung. Auch der Unterhalt der Immobilie ist ressourcenschonend.

Das futuristische Haus ist Teil des Forschungs- und Innovationsgebäudes NEST von Empa und Eawag. Geplant und realisiert wurde es vom Nationalen Forschungsschwerpunkt «Digitale Fabrikation» an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit zahlreichen Wirtschaftspartnern. Wann, ob und in welcher Form sich die Bau- und Konstruktionsweise in der Bauwirtschaft durchsetzen wird, ist offen.

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